Mehr Bürokratie statt mehr Lohngerechtigkeit

24. Juli 2026

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie soll sicherstellen, dass Frauen und Männer für gleichwertige Arbeit gleich bezahlt werden. Anders als das bisherige deutsche Entgelttransparenzgesetz gelten die Transparenzansprüche künftig unabhängig von der Unternehmensgröße. Zusätzlich werden für Unternehmen ab 100 Beschäftigten schrittweise neue Berichtspflichten zu geschlechtsspezifischen Entgeltunterschieden eingeführt. Die aktuelle Umfrage des German Business Panel untersucht, wie deutsche Unternehmen auf diese neuen Anforderungen blicken und welche Veränderungen sie erwarten.

Ein zentrales Ergebnis: Die Bewertung der Richtlinie hängt eng mit der Einschätzung der aktuellen Wirtschaftspolitik zusammen. Unternehmen, die mit der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung zufrieden sind, beurteilen auch die Richtlinie deutlich positiver. Umgekehrt lehnen Unternehmen, die die Wirtschaftspolitik vor allem mit Wachstumshemmnissen und zusätzlicher Bürokratie verbinden, auch die Richtlinie häufiger ab. So sprechen sich 54 Prozent der wirtschaftspolitisch Unzufriedenen gegen die neuen Vorgaben aus.

 

Unternehmen befürchten mehr Bürokratie

 

Die Erwartungen an die Richtlinie fallen insgesamt verhalten aus. Mehr als jedes dritte Unternehmen (37,1 Prozent) rechnet mit einem steigenden administrativen Aufwand. Nur 3,1 Prozent erwarten dagegen, dass die Richtlinie tatsächlich zu einer Verringerung des Gender Pay Gaps beiträgt. Lediglich 6,7 Prozent planen, ihre Gehaltsstrukturen künftig häufiger gezielt auf geschlechtsspezifische Entgeltunterschiede zu überprüfen.

„Viele Unternehmen verbinden die Richtlinie zunächst mit zusätzlichen Dokumentationspflichten. Dass daraus tatsächlich mehr Lohngerechtigkeit entsteht, erwarten bislang nur wenige. Das zeigt, dass die Ziele der Richtlinie in der Unternehmenspraxis noch nicht angekommen sind“, sagt Prof. Dr. Jannis Bischof, wissenschaftlicher Projektleiter des German Business Panel.

Auffällig ist zudem, dass ausgerechnet Branchen mit besonders hohen Entgeltunterschieden bislang nur selten zusätzliche Überprüfungen planen. Im Sozial- und Gesundheitswesen liegt der Gender Pay Gap bei nahezu 18 Prozent. Dennoch geben lediglich fünf Prozent der Unternehmen dieser Branche an, ihre Gehaltsstrukturen künftig gezielt auf geschlechtsspezifische Unterschiede überprüfen zu wollen.

„Die Bereitschaft, bestehende Gehaltsstrukturen kritisch zu überprüfen, konzentriert sich nicht unbedingt auf die Branchen mit dem größten Handlungsbedarf. Gerade dort, wo die Unterschiede besonders ausgeprägt sind, sehen wir bislang nur wenig zusätzliche Aktivität“, ordnet GBP-Projektleiter Prof. Dr. Davud Rostam-Afschar die Ergebnisse ein.

 

Unternehmen noch unzureichend vorbereitet

 

Die Umfrage zeigt außerdem, dass die Richtlinie bislang nur begrenzt Aufmerksamkeit erhält. Mehr als jedes vierte Unternehmen (26,8 Prozent) hat nach eigener Aussage noch nie von der EU-Entgelttransparenzrichtlinie gehört. Weitere 52,2 Prozent haben sich bisher nicht konkret mit ihren Anforderungen beschäftigt. Besonders gering ist der Vorbereitungsgrad bei kleinen Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten und ohne bereits etablierte standardisierte Gehaltsstrukturen. „Ausgerechnet die Unternehmen, die organisatorisch am wenigsten auf transparente Vergütungssysteme vorbereitet sind, haben sich bislang am seltensten mit den neuen Anforderungen beschäftigt“, fasst Bischof zusammen.

 

Den „GBP-Monitor: Unternehmenstrends im Juli 2026“ finden Sie hier.

 

Quelle: Universität Mannheim

 

 

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