Geringere Sichtbarkeit durch Mentorinnen?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die durch Mentorinnen betreut werden, erhalten weniger Aufmerksamkeit als Mentees von Männern, obwohl sie qualitativ gleichwertige Arbeit leisten. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie von drei Mannheimer BWL-Forschenden. Die Betriebswirtschaftlerinnen und Betriebswirtschaftler erklären diesen Unterschied damit, dass Mentorinnen und Mentoren die von ihnen betreuten Personen unter anderem mit ihrer eigenen wissenschaftlichen Community vernetzen und ihnen somit ihr Fachpublikum „vererben“. Da die Reichweite von Wissenschaftlerinnen per se geringer ist als die von Wissenschaftlern, überträgt sich dies auch auf die Mentees. Die Studie wurde von Prof. Dr. Karin Hoisl, Inhaberin des Lehrstuhls für Organisation und Innovation, Prof. Dr. Marc Lerchenmüller, Juniorprofessor für Technologische Innovation und Management Science, sowie Dr. Leo Schmallenbach, Habilitand im Technologie- und Innovationsmanagement, durchgeführt.

„Hierbei spielt weder die Leistung der Mentorin noch die der betreuten Personen eine Rolle. Auch bei gleichwertiger Arbeitsqualität erhalten Mentees von Männern mehr Sichtbarkeit“, erklärt Hoisl. „Mentees von Frauen erhalten dagegen weniger Aufmerksamkeit – unabhängig davon, ob sie selbst Frauen oder Männer sind.“

Diesen Mechanismus bezeichnen die Forschenden als Audience Inheritance (Vererbung des Publikums). Noch stärker ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen ausgeprägt, wenn Mentees eng mit ihren Mentorinnen und Mentoren zusammenarbeiten und sich mit ähnlichen Forschungsthemen beschäftigen. Besonders bedeutsam: Auch im späteren Berufsleben, wenn die Mentees bereits eigenständig arbeiten, bleibt dieser Unterschied bestehen – denn der primäre Verbreitungskanal ändert sich nicht.

In der Studie untersuchte das Team mehr als 20.000 Artikel von rund 2.700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der frühen Karrierephase. Sie fanden heraus, dass Publikationen, die gemeinsam mit einer Mentorin verfasst wurden, rund acht Prozent weniger Zitationen erhielten als Publikationen, die zusammen mit einem Mentor veröffentlicht wurden. „In Arbeiten, die die Mentees allein – also ohne ihre Mentorinnen und Mentoren als Co-Autorinnen und -Autoren – publizierten, bleibt dieser Nachteil bestehen, was nicht nur für Karrierewege, sondern auch für den gesellschaftlichen Nutzen von Wissen negative Implikationen birgt“, betont Lerchenmüller.

Aus diesen Erkenntnissen leiten die Forschenden auch Empfehlungen für Arbeitgeberinnen, Arbeitgeber und Führungskräfte ab: „Unsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass Frauen nicht mehr als Mentorinnen arbeiten sollten“, betont Schmallenbach. „Es ist vielmehr wichtig, Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern den Zugang zu weiteren, unabhängigen Fachpublika zu ermöglichen und sie gezielt darin zu unterstützen, sich ein eigenes Netzwerk aufzubauen.“

 

Quelle: Universität Mannheim

 

 

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