Deutscher Nachhaltigkeitspreis für Michael Braungart

Chemiker, Umweltaktivist und Wirtschaftsvordenker: Für sein außergewöhnliches Engagement für Umwelt- und Klimaschutz erhielt Prof. Dr. Michael Braungart am vergangenen Freitag den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Seit Jahrzehnten setzt sich der Öko-Pionier für eine Abkehr vom linearen Wirtschaften ein und wirbt stattdessen für konsequente Kreislaufwirtschaft. Seine Vision von einer Welt ohne Abfall, in der alle Materialien in unendlichen Kreisläufen zirkulieren, beruht auf dem von ihm mitentwickelten Cradle to Cradle-Designprinzip. Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, gründete er das Umweltforschungs- und Beratungsinstituts EPEA mit Hauptsitz in Hamburg, das bis heute über 10.000 Produkte hinsichtlich ihrer Kreislauffähigkeit und Materialgesundheit optimiert und viele davon zertifiziert hat.

„Michael Braungart gilt heute als konsequentester und streitbarster Verfechter einer umfassenden Circular Economy. „Cradle to Cradle“ geht als Prinzip und als Label um die Welt“, betont die Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises in ihrer Begründung. Der Weg zum Vordenker begann für Michael Braungart lange davor im schwäbisch-hohenlohischen Jagsttal. Schon früh der Umwelt verbunden, engagierte er sich als Jugendlicher in der Anti-Atomkraft-Bewegung, war an der Gründung der Vorgängerpartei der Grünen beteiligt und in den 1980er-Jahren bei Greenpeace aktiv. In den 1990er-Jahren entwickelte Braungart gemeinsam mit dem US-amerikanischen Wissenschaftler William McDonough das Cradle to Cradle-Designprinzip (zu Deutsch „von der Wiege zur Wiege“). Seitdem setzt sich der studierte Chemiker und Verfahrenstechniker unablässig für eine Welt ohne Abfall ein. „Nützlich sein statt weniger schlecht“ ist eine der Prämissen, für die der 66-Jährige dabei plädiert: „Wir verstehen unter Umweltschutz, dass wir weniger zerstören – weniger Auto fahren, weniger Müll machen, weniger Wasser verbrauchen. Das reicht aber nicht aus. Um Umwelt und Klima wirksam zu schützen, müssen wir die Dinge von Grund auf neu machen. Wir müssen dahin kommen, dass wirklich alle Bestandteile eines Produkts endlos wiederverwertet werden können – und zwar ohne jegliche Qualitätseinbuße“, erklärt Braungart.

Um praktische Lösungen für Umweltprobleme zu entwickeln und den Einsatz des Cradle to Cradle-Designprinzip in der Wirtschaft voranzutreiben, gründete Michael Braungart 1987 das Umweltforschungs- und Beratungsinstitut EPEA. Das Unternehmen, das seit 2019 Teil der auf Bau und Immobilien spezialisierten Drees & Sommer-Gruppe ist, berät Kunden unterschiedlichster Branchen zu kreislauffähigen Produkten – von Spielzeugfabrikanten über Textilhersteller und Automobilfirmen bis zur Bauwirtschaft. „Gerade die Baubranche hat einen enormen Ressourcenhunger: In Deutschland verschlingt sie rund die Hälfte aller Rohstoffe. Das meiste davon landet bei Abriss auf der Deponie oder wird zu minderwertigem Füllmaterial downgecycelt“, sagt Dr. Peter Mösle, Geschäftsführer der EPEA GmbH. „Gebäude wie die OWP12 in Stuttgart oder The Cradle in Düsseldorf haben wir kreislauffähig konzipiert, um wertvolle Materialien für die Zukunft zu erhalten. Ohne Michael Braungart’s Grundlagenarbeit wäre das heute noch nicht möglich gewesen. Er leistete mit seinem C2C Denkansatz einen enormen Beitrag für die positive Gestaltung der Zukunft und wir sind stolz, mit ihm zusammenzuarbeiten.“

Braungart lehrt derzeit Öko-Design und Cradle to Cradle an der Leuphana Universität Lüneburg. Zudem ist er Mitbegründer und wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Umweltinstituts und Autor mehrerer Bücher rund um Circular Economy und das Cradle to Cradle-Konzept.

 

Quelle: Drees & Sommer

 

 

Beitragsbild: Michael Braungart; Foto: Anna Bauer.