Ein Tag auf der Museumsinsel I

Berlin ist eine Reise wert. Die Metropole hat für jeden etwas zu bieten. Kulturinteressierte sollten sich auf den Weg zur Museumsinsel machen. Sie ist nicht zu verfehlen: Vom Brandenburger Tor aus läuft die Prachtallee „Unter den Linden“ schnurgerade auf das Stadtschloss zu, dann noch kurz nach links abbiegen und schon ist man da. Hier liegen die bedeutendsten Museen der Stadt.

 

Auf der Museumsinsel wird gebaut; Foto: Stefan Burkhardt

Das Deutsche Historische Museum

 

Da ist zum ersten das Deutsche Historische Museum im Zeughaus, noch vor der eigentlichen Museumsinsel. Das ehemalige Waffenarsenal Berlins beherbergt heute eines der bedeutendsten Museen zur deutschen Geschichte. Was in Nürnberg mit dem Germanischen Nationalmuseum, dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände und dem Memorium Nürnberger Prozesse abgedeckt wird, leistet hier ein Haus: Deutsche Geschichte von den Anfängen bis zum Mauerfall. Auf zwei Stockwerken können sich Besucherinnen und Besucher über alle Epochen umfassend informieren, nie wirken die Exponate erschlagend, alles wird konzis präsentiert. Das Museum eignet sich so für alle Altersgruppen und insbesondere für Familien mit größeren Kindern. Am Ende des Besuches, für den man mindestens zwei Stunden einplanen sollte, raucht allerdings der Kopf: Höhepunkte und Abgründe der deutschen Geschichte liegen allzu oft nahe beieinander.

 

Wild ausschlagende Geschichte

 

Gerade deshalb lohnt der Besuch aber heute umso mehr. Er ist aufklärerisch im besten Sinne des Wortes. Die Exponate zeigen deutlich, dass Geschichte reich an verschiedensten Motiven ist, sie bleibt stets kompliziert und lässt sich selten auf einen einfachen Nenner bringen, ohne wichtige andere Aspekte auszublenden. Der Gang durch das Museum falsifiziert all jene Geschichtsmythen und großen Erzählungen, die seit einigen Jahren verstärkt zur Legitimation von Politik gebraucht werden: Auf den Buchdruck folgt der Dreißigjährige Krieg, auf die Hofkultur des 18. Jahrhunderts die Französische Revolution und nach der Reichsgründung findet man sich plötzlich vor dem großen Modell der Gaskammern von Auschwitz wieder, anhand dessen ein Vater seinem zehnjährigen Sohn das Geschehene zu erklären versucht. Geschichte lässt sich nur selten am Zügel führen, sie bockt, schlägt aus und geht durch.

 

Ein neues Stadtschloss

 

Umso erstaunlicher verläuft unser weiterer Weg „unter den Linden“: In der Ferne ist ein Baukörper emporgewachsen als ob Schlüter selbst Hand angelegt hätte. Die Kuppel noch eingerüstet, aber die Lampen im Inneren brennen bereits. Man betrachtet den Neubau des Stadtschlosses mit sehr gemischten Gefühlen.

 

Der Neubau des Stadtschlosses; Foto: Stefan Burkhardt

 

Sicher – das Ensemble stimmt wieder: Schloss, Dom, Zeughaus, Humboldt-Universität, Museumsinsel. Alles schlüssig im Sinne des preußischen Staatsverständnisses, in dem Politik, Kirche, Militär, Wissenschaft und Kunst ihren festen Platz hatten. Aber trotzdem: Wozu diese Pracht? Weshalb die Rekonstruktion eines Schlosses in einem Land, dessen Brücken bröckeln? Der Neubau wirkt eigentümlich funktionslos: Die Nutzung als Humboldt Forum ist nicht unumstritten, die Stadtmitte bleibt noch eine Leerstelle.

 

Teil II finden Sie hier.

 

Beitragsbild: Stefan Burkhardt