Erste Weltkarte zeigt Einfluss der Gezeiten auf Küstenflüsse

Forschende unter Leitung der Technischen Universität München (TUM) haben erstmals einen globalen Atlas zum Einfluss der Gezeiten auf Küstenflüsse erstellt. Die Regionen an den Küstenflüssen sind besonders durch extreme Hochwasser bedroht, vor allem im voranschreitenden Klimawandel. Die frei zugängliche Karte zeigt die Auswirkungen auf einen Blick und bietet damit eine entscheidende Grundlage für den Hochwasserschutz.

Gezeiten beeinflussen nicht nur Küsten. Die periodischen Schwankungen, der sogenannte Gezeitenhub, werden über Küstenflüsse auch ins Landesinnere getragen. Die umliegenden Regionen stehen unter besonderem Risiko für extreme Hochwasser.

Deshalb ist es wichtig, diese Gebiete und das Ausmaß des Gezeitenhubs zu kennen. Eine weltweite und genaue Übersicht hat aber bisher gefehlt. Ein Forscherteam unter Leitung der TUM hat erstmals eine globale Auswertung von hochaufgelösten Satellitendaten durchgeführt und den „Puls der Flüsse“ in einer interaktiven Karte aufbereitet.

 

Über 725 Millionen Menschen weltweit von Gezeitenhub beeinflusst

 

Die Karte schließt damit eine große Lücke in den globalen Daten über Flussgezeiten. „Wir können genau nachvollziehen wo, wann und wie hoch die Gezeiten in den umliegenden Gebieten der Küstenflüsse ausfallen“, sagt Michael Hart-Davis vom Deutschen Geodätischen Forschungsinstitut (DGFI-TUM) der TUM School of Engineering and Design, der das Forschungsteam leitete. „Für die über 725 Millionen Menschen weltweit, die in diesen Gebieten leben, können diese Informationen im Fall eines extremen Hochwassers und in der Frischwasserversorgung überlebenswichtig sein.“

Anhand der Karte können auch langfristige Entwicklungen beobachtet werden. Wenn sich der Meeresspiegel mit voranschreitendem Klimawandel ändert, werden sich auch die Hochrisikozonen im Hochwasser an den Küstenflüssen verschieben. Basierend auf den präsentierten Daten können diese Veränderungen global erfasst werden und so zu einer entsprechenden Anpassung der Schutzmaßnahmen dienen.

 

Daten für mehr als 3.000 Flüsse

 

Die Forschenden haben über 3.000 Flüsse weltweit ausgewertet und damit die vollständigste bisher veröffentlichte Datengrundlage erarbeitet. Die Ergebnisse, die im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurden, zeigen, dass über 175.000 Flusskilometer weltweit einem deutlichen Einfluss der Gezeiten unterliegen.

Mit den Daten kann auch gezeigt werden, wie viele Kilometer die Gezeiten entlang eines Flusses weitergeleitet werden: im Amazonas geschieht das bis zu 892 km flussaufwärts von der Mündung in den Ozean.

 

Publikation:

 

Hart-Davis M.G., Scherer D., Schwatke C., Sawyer A., Pavelsky T., Ray R.D., Matte P., Dettmering D, Seitz F. Observing the tidal pulse of rivers from wide-swath satellite altimetry. Nature. https://www.nature.com/articles/s41586-026-10287-z

 

Quelle: TUM

 

 

Beitragsbild: Küstenflüsse, wie hier der Mississippi, steigen und sinken mit den Gezeiten – der sogenannte Gezeitenhub. Dadurch ergeben sich besonders gefährdete Risikogebiete für Hochwasser; Foto: Tamlin Pavelsky/University of North Carolina.