Deutsche Unternehmen mit der Wirtschaftspolitik weiterhin unzufrieden

27. Sep 2021

Obwohl sich die wirtschaftliche Situation nach dem langen Lockdown im Frühjahr 2021 stark verbessert hat, bleibt die Lage im August über viele Branchen hinweg angespannt – das zeigt der Unternehmenstrend des German Business Panel (GBP) an der Universität Mannheim. Unternehmen sind besonders unzufrieden mit der Wirtschaftspolitik der aktuellen Bundesregierung, zeigen die Antworten der 1.800 deutschen Unternehmen aus mehr als 80 Branchen. Die Corona-Politik wird ebenfalls kritisch bewertet – viele Unternehmen begreifen insbesondere Homeoffice und Digitalisierung jedoch auch als Chance.

 

Aufwärtstrend bei Umsatz, Gewinnen und Investitionen

 

Seit dem harten Lockdown im Februar 2021 hat sich die betriebswirtschaftliche Situation der Unternehmen in Deutschland kontinuierlich verbessert und es zeichnet sich ein Aufwärtstrend bei Umsatz, Gewinnen und Investitionen ab. Das zeigen die aktuellen Werte der Unternehmensbefragung des German Business Panel für August 2021: ein Umsatzwachstum von 5,6 Prozent sowie ein Anstieg der Investitionen um 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Gewinne liegen weiter unter Vorjahresniveau, allerdings zeigt sich auch hier der positive Trend mit einer Steigerung um 0,9 Prozentpunkte von Juli bis August 2021.

 

Unzufriedenheit mit der Wirtschaftspolitik

 

Obwohl sich die Gewinn- und Umsatzsituation positiv entwickeln, sind die befragten Unternehmen mehrheitlich unzufrieden mit der deutschen Wirtschaftspolitik. Gegenüber einem Wert von 44 Prozent im Juli fällt der Grad der Zufriedenheit im August sogar auf nur noch 41 Prozent. Die Zufriedenheit mit der Wirtschaftspolitik liegt dabei sogar um sieben Prozentpunkte unter der Zufriedenheit mit den Corona-Maßnahmen.

Im Hinblick auf die Corona-Politik unterscheiden sich die Zustimmungswerte sehr stark danach, in welcher Form die Unternehmen von der Pandemie finanziell betroffen waren. Besonders unzufrieden sind Unternehmen, die von Ladenschließungen oder dem Ausfall von Mitarbeitenden wegen Schul- und Kindergartenschließungen belastet wurden. Stärkere Zufriedenheit herrscht hingegen, wenn sich die finanzielle Belastung aufgrund der Homeoffice-Pflicht oder aufgrund notwendiger Digitalisierungsmaßnahmen ergibt. „Diese finanziellen Belastungen betrachten viele Unternehmen als Investitionen in bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeitenden und höhere Attraktivität für ihre Kunden. Anders als die Schließung von Geschäften, Schulen und Kindergärten wird dies der Politik daher nicht negativ zugeschrieben“, fasst Prof. Dr. Jannis Bischof zusammen. Der Inhaber des Lehrstuhls für ABWL und Unternehmensrechnung an der Universität Mannheim ist wissenschaftlicher Projektleiter des GBP.

 

Verbesserte betriebswirtschaftliche Kennzahlen, gestiegene Ausfallwahrscheinlichkeit

 

Die Daten zeigen weiter, dass den weiter verbesserten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen eine wieder gestiegene Ausfallwahrscheinlichkeit gegenübersteht. Die Ausfallwahrscheinlichkeit gibt Auskunft darüber, für wie wahrscheinlich es Unternehmer halten, dass ein Unternehmen der eigenen Branche innerhalb der folgenden 12 Monate aus der Geschäftstätigkeit ausscheidet. Sie war zwar im Juli auf einen Tiefstwert von 12,6 Prozent über alle Branchen hinweg gesunken, hat sich im August mit durchschnittlich 13,8 Prozent aber wieder leicht erhöht. Die Ergebnisse zeigen außerdem sehr deutliche Branchenunterschiede. Bei Betrieben des Baugewerbes, die vom Boom des Immobilienmarkts profitieren, liegt sie daher beispielsweise weit unter dem Durchschnitt bei nur noch 8,8 Prozent. Bei Unternehmen, die im Zuge der im November und Dezember 2020 begonnen Lockdowns von Ladenschließungen betroffen waren, und daher mit starken Einschnitten zu kämpfen hatten, liegt die Ausfallwahrscheinlichkeit hingegen noch immer deutlich höher als im Durchschnitt, und zwar bei 19,4 Prozent. „Die Werte zeigen, dass die Unternehmen weitere finanziellen Folgen der Pandemie sowie Geschäftsschließungen für den Herbst erwarten“, erläutert Dr. Davud Rostam-Afschar, Leiter und Mitautor der Studie.

Dass Unternehmen weiterhin vorsichtig sind und ihr Unternehmensrisiko minimieren wollen, zeigt sich auch in ihren geplanten Maßnahmen für die kommenden 12 Monate. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie Ausschüttungen reduzieren, ist im August wieder angestiegen. Außerdem planen 19,9 Prozent mehr Unternehmen ihre Preise zu erhöhen als zu senken (im Juli lag der Unterschied nur bei 17,4 Prozent).

 

Den GBP-Monitor: Unternehmenstrends im September 2021 finden Sie unter https://www.accounting-for-transparency.de/wp-content/uploads/2021/09/gbp_monitor_2021_9.pdf

 

Quelle: Universität Mannheim

 

 

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