Start-ups als Treiber europäischer Resilienz

Geopolitische Krisen, fragile Lieferketten und steigende Rohstoffpreise erhöhen den Handlungsdruck in Europa. Wirtschaftliche Resilienz entscheidet sich zunehmend in der Kreislaufwirtschaft und im Umgang mit kritischen Rohstoffabhängigkeiten. Dies begünstigt eine neue Innovationsdynamik rund um die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe. Das zeigt die europäische Start-up-Landkarte für den Bereich Circular Economy, die dieses Jahr zum vierten Mal veröffentlicht wird, von CIRCULAR REPUBLIC, der Initiative für Kreislaufwirtschaft von UnternehmerTUM. Auf der IFAT Munich, der weltweit führenden Messe für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft, präsentiert die Initiative erstmals die neuen Ergebnisse. Gleichzeitig wurde der Knorr-Bremse Circular Technology Award von Knorr-Bremse und Heinz Hermann Thiele Familienstiftung in Partnerschaft mit CIRCULAR REPUBLIC an DEScycle, Hiro Robotics, HyProMag GmbH und R3 Robotics verliehen.

Als größte datenbasierte Analyse zirkulärer Start-ups in Europa geht die Erhebung weit über Deutschland hinaus und bietet fundierte Einblicke in internationale Finanzierungstrends sowie Wachstumschancen. Die aktuelle Erhebung legt einen Fokus auf industrielle Anwendungen wie die automatisierte Demontage (Automated Disassembly) und die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe (Critical Raw Materials Recovery).

 

2.800 Start-ups treiben die Kreislaufwirtschaft in Europa voran

 

Mit rund 2.800 identifizierten Start-ups ist Europa weiterhin ein globaler Hotspot der Kreislaufwirtschaft. Deutschland, Großbritannien und Frankreich behaupten ihre führende Rolle. Hier entstehen insgesamt mit Abstand die meisten Start-ups mit zirkulären Geschäftsmodellen. Gleichzeitig setzen Länder wie Estland und Finnland im Pro-Kopf-Vergleich weiterhin die Maßstäbe als Vorreiter zirkulärer Innovation.

 

Europa übernimmt globale Führungsrolle bei Investments in Circular-Economy-Start-ups

 

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten wächst das Investitionsvolumen in Start-ups aus dem Bereich der Kreislaufwirtschaft. Dabei nimmt Europa eine führende Rolle ein: Mehr als 55 Prozent des weltweit investierten Venture Capitals in die Kreislaufwirtschaft floß im Jahr 2024 nach Europa. Diese Zahl verdeutlicht die herausragende Stellung Europas im Bereich Circular Economy, denn üblicherweise liegt der Kontinent bei Finanzierungsrunden – etwa im Bereich KI –  weit hinter den USA und China. Dennoch besteht Handlungsbedarf: Ohne konsequente Industrialisierung und Skalierung zirkulärer Lösungen droht Europa seinen Wettbewerbsvorteil zu verspielen, ähnlich wie schon in der Solarenergie oder Elektromobilität.

Dr. Matthias Ballweg, Co-Founder von CIRCULAR REPUBLIC, macht deutlich: „In diesem Trend liegt eine enorme Chance für Europa. Bei Internet und Solarenergie haben wir die Führung an die USA und China abgegeben. Doch jetzt haben wir bei der Zerlege- und Recyclingtechnologie eine neue Chance, es besser zu machen und diesmal die Marktführerschaft aus Europa heraus zu sichern.“

 

Kreislaufwirtschaft als strategischer Hebel für Europas Unabhängigkeit

 

Gerade weil bei Materialien mit hoher Importabhängigkeit die Recyclingquoten am niedrigsten sind, wird die Abhängigkeit Europas von kritischen Rohstoffen zu einem wachsenden Risiko und macht den Kontinent zunehmend verwundbar gegenüber geopolitischen Spannungen. Bei Seltenen Erden, die in Windkraftanlagen, Traktionsmotoren und Robotik stecken, ist Europa bis zu 95 Prozent auf Importe aus China angewiesen. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die Kreislaufwirtschaft vom Nischenthema zum strategischen Instrument für wirtschaftliche Souveränität. Während zirkuläre Geschäftsmodelle lange vor allem im B2C-Bereich verankert waren, gewinnen industrielle Anwendungen heute zunehmend an Bedeutung. Technologien wie die automatisierte Demontage ermöglichen es, wertvolle Materialien – darunter auch kritische Rohstoffe – effizient zurückzugewinnen und Prozesskosten deutlich zu senken. Start-ups wie R3 Robotics (KI-gestützte Robotik für industrielle Demontage), WeSort.AI GmbH (KI-basierte Sortierung von Stoffströmen) und DEScycle (innovative Verfahren zur Rückgewinnung von Seltenen Erden) treiben diese Entwicklung maßgeblich voran.

 

Innovationspotenzial

 

Die unternehmerischen Chancen sind gewaltig, dennoch: Rund 15 Prozent der europäischen Circular Economy-Start-ups arbeiten an Lösungen im Bereich des Recycling, um Materialkreisläufe zu schließen. Weniger als 5 Prozent dieser Circular Economy-Start-ups fokussieren sich jedoch auf kritische Rohstoffe. Zudem gibt es bislang nur wenige Start-ups an der Schnittstelle von Kreislaufwirtschaft und Künstlicher Intelligenz, obwohl diese in Europa dringend benötigt werden, um die Weiterentwicklung und Skalierung hardwarebasierter Lösungen voranzutreiben.

Leonhard Teichert, Programmleiter bei CIRCULAR REPUBLIC betont: „Die wenigen Unternehmen, die es an der Schnittstelle zwischen Kreislaufwirtschaft und KI gibt, sind allerdings die absoluten Spitzenreiter. Gerade bei Physical AI, also der KI, die in der realen, physischen Welt agiert, haben wir einen echten Vorteil. Den gilt es jetzt konsequent auszubauen.”

 

Knorr-Bremse Circular Technology Award für die innovativsten Green-Tech- Lösungen

 

Die Start-up-Landkarte wurde im Rahmen der Verleihung des Knorr-Bremse Circular Technology Awards von Knorr-Bremse und Heinz Hermann Thiele Familienstiftung, in Partnerschaft mit CIRCULAR REPUBLIC, präsentiert. Der Preis unterstreicht die wachsende Relevanz der Kreislaufwirtschaft für die Industrie und richtet sich an Start-ups sowie kleine und mittelständische Unternehmen aus ganz Europa, die mit Künstlicher Intelligenz, Robotik und neuen Geschäftsmodellen automatisierte Demontage und die Rückgewinnung von Rohstoffen neu denken. Zu den Gewinnern zählen: DEScycle, Hiro Robotics, HyProMag GmbH und R3 Robotics.

 

Die Preisverleihung fand ebenfalls am 6. Mai 2026 auf der IFAT Munich statt.

 

Quelle: UnternehmerTUM

 

 

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