Wenn Paare umziehen

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland liegt bei 6,2 Prozent (Stand Juni 2026) – und steigt. Wenn lokale Beschäftigungsmöglichkeiten zurückgehen, entscheiden sich viele Paare für einen Umzug in Länder mit besseren Perspektiven. Doch nicht alle können gleichermaßen mobil sein: Manche Berufe lassen sich aufgrund ihrer besonderen Anforderungen nur schwer in anderen Regionen ausüben. So können Meeresbiologen beispielsweise nur in Forschungszentren in Küstennähe arbeiten. Wenn also Männer und Frauen in unterschiedlichen Berufsgruppen arbeiten, macht das einen Umzug komplexer und führt oft zu Kompromissen.

Genau hier setzt das Forschungsprojekt von Dr. Olatz Román Blanco an. Sie untersucht, wie die geografische Verteilung von Arbeitsplätzen geschlechterspezifische Unterschiede bei Mobilität und Karrierechancen beeinflusst. Werden die beruflichen Perspektiven von Frauen eingeschränkt, wenn Paare gemeinsam über einen Umzug entscheiden? Wie lässt sich der jüngste Rückgang der Mobilität von Paaren erklären? Und warum steigen die Einkommen von Frauen häufig stärker als die von Männern, wenn sie in größere Städte ziehen?

Für ihr Projekt „Die Geographie der Arbeitsplätze: Geschlechterspezifische Unterschiede bei Chancen und Mobilität“ erhält Román Blanco eine Marie-Skłodowska-Curie-Förderung für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden der Europäischen Union. Das zweijährige Projekt beginnt im September 2027 und wird an der Universität Mannheim unter der Leitung der VWL-Professorin Michèle Tertilt durchgeführt, einer international führenden Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Gender- und Familienökonomie. Román Blanco wechselte bereits im Juli 2025 vom European University Institute in Florenz nach Mannheim.

Methodisch stützt sich das Projekt auf umfangreiche Datensätze aus Deutschland und den USA. Dabei kombiniert die Wissenschaftlerin quasi-experimentelle Ansätze, die Veränderungen bei Berufszulassungsregelungen ausnutzen, mit Modellen zu den Standortentscheidungen von Haushalten sowie detaillierten administrativen Beschäftigungsdaten.

Ziel des Projekts ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse bereitzustellen, die politische Maßnahmen zur Verringerung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt unterstützen. Zudem sollen die Erkenntnisse Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern die Bedeutung von Arbeitsflexibilität für die Gewinnung vielfältiger Talente näherbringen. Nicht zuletzt soll das Projekt dazu beitragen, besser zu verstehen, warum manche Regionen Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu gewinnen oder langfristig zu halten.

 

Quelle: Universität Mannheim

 

 

Beitragsbild: pixabay.com