Die Stromherkunft an Ladesäulen nachweisen

Stammt der angebotene Strom aus erneuerbaren Energien? Nur wenige Ladesäulen teilen verlässliche Angaben zur Herkunft des Ladestroms – ein großes Problem für die CO2-Bilanzierung von Firmenflotten und Autobauern. Der Digital Hub Mobility von UnternehmerTUM hat gemeinsam mit führenden Partnern aus der Tech-, Energie- und Mobilitätsbranche erstmals einen Prototyp für eine umfassende Datenplattform entwickelt. In der nächsten Projektphase soll die Lösung mit Pilotkunden getestet werden.

Viele Firmen stellen ihre Fahrzeugflotten auf E-Autos um. Bereits jedes siebte Firmenfahrzeug fährt laut einer KfW-Studie von 2023 elektrisch, Tendenz steigend. Dafür investieren die Unternehmen Millionen. Auch in der Annahme, eine elektrifizierte Flotte stoße keine Emissionen aus. Doch die bei der Stromproduktion entstandenen indirekten Emissionen des verbrauchten Stroms müssen ebenfalls nach ESG-Kriterien bilanziert werden.

Dies gilt auch für die Autohersteller, die alle prognostizierten CO2-Emissionen über den Lebenszyklus der produzierten Autos bilanzieren müssen. Eine Herausforderung, denn das aktuelle System ist fragmentiert: Obwohl Ladesäulenbetreiber in Deutschland fast flächendeckend nachhaltigen Grünstrom anbieten und viele private Wallboxen über Grünstromverträge laufen, sind die Vertragsinformationen nicht abrufbar. Unternehmen können sich allein auf öffentlich verfügbare Durchschnittswerte stützen und grüne Zertifikate erwerben, um den in der Bilanz angegebenen geladenen Strom auch bilanziell “grün zu stellen”. Eingesparte Emissionen, etwa durch Ladevorgänge in Zeiten hoher erneuerbarer Stromproduktion, können aktuell nicht berücksichtigt werden. Dabei ermöglicht eine umfassende und transparente Datengrundlage der tatsächlich entstandenen Emissionen die Ableitung fundierter Maßnahmen zur Emissionsreduzierung sowie eine exakte Bilanzierung und Einsparungen von Millionen Euro.

 

Ganzheitliche Datengrundlage der Stromherkunft

 

Im Rahmen des Projekts Reveal CO2 des Digital Hub Mobility kamen mit BMW, DKV Mobility, E.ON, SAP, Infineon und der FFE erstmals führende Unternehmen aus den Bereichen Energieversorgung, Ladesäuleninfrastruktur, Flottenmanagement und der Forschung zusammen, um eine Lösung zu entwickeln. Innerhalb von sechs Monaten Projektzeit befragte das interdisziplinäre Projektteam 49 Expertinnen und -experten aus Forschung, Gesetzgebung, Zertifizierung, Ladesäuleninfrastruktur und Flottenmanagement und entwickelte basierend auf den Erkenntnissen einen technischen Prototyp inklusive Geschäftsmodell.

Die entwickelte Plattform bündelt und teilt alle notwendigen Informationen zur Stromherkunft gegen Gebühr, um die sogenannte standort- und markt-basierte Bilanzierung zu ermöglichen. Ladesäulenbetreiber können verlässliche Daten zu Stromverträgen und -herkunft an ihren Ladesäulen teilen. Zudem stellt der Projektpartner E.ON ein Datenmodell der räumlichen Stromherkunft inklusive entstandener CO2-Emissionen auf Postleitzahlebene zur Verfügung, die alle 15-Minuten aktualisiert wird. Ladevorgänge können entsprechend dem verfügbaren, günstigen, lokal produzierten Strom gesteuert werden.

„Die Investitionen in E-Flotten lohnen sich nur, wenn wir Ladestrom assoziierte Emissionen messen und reduzieren. Das ist aktuell nicht gesichert. Unser Ansatz bietet eine einfache, kostensparende und transparente Lösung für dieses Problem“, so Johanna Bronisch, Projektleiterin und Senior Expert Technology des Digital Hub Mobility. „Ultimativ ermöglicht die Plattform, dass unsere Partner gemeinsam in erneuerbaren Strom aus Deutschland oder in den Bau neuer Anlagen investieren. Damit tragen wir einen echten Beitrag zur Beschleunigung der Energiewende bei.”

 

Testphase mit Pilotkunden

 

Der entwickelte Prototyp soll nun getestet und weiterentwickelt werden mit dem Ziel ein fertiges Produkt zu launchen. Interessierte Autohersteller, Flotten- und Ladeinfrastrukturbetreiber, sowie E-Mobility-Dienstleister sind eingeladen sich an diesem Prozess zu beteiligen. Speziell sucht das Team nach Pilotkunden, die CO2-Emissionen für ihre Flotte im Rahmen der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) bilanzieren oder Ladesäulenbetreiber, die Daten für ihre Kunden bereitstellen möchten.

 

Weitere Informationen zum Projekt Sie hier.

 

Quelle: UnternehmerTUM

 

 

Beitragsbild: pixabay.com