Hoher wirtschaftlicher Schaden in Russland erwartet

28. Mrz 2022

Auf den völkerrechtswidrigen Angriff von Russlands auf die Ukraine haben die EU und Deutschland mit umfangreichen Sanktionen reagiert. Die Pakete sollen Druck auf die russische Wirtschaft ausüben, um darüber Präsident Putin von einer Fortsetzung des Krieges abzubringen. Nach Einschätzung der vom ZEW Mannheim befragten Finanzmarktexperten im März 2022 dürften die Maßnahmen gegen die russische Zentralbank und der Ausschluss russischer Banken vom SWIFT-Zahlungssystem am wirksamsten sein. Sie treffen die russische Wirtschaft voraussichtlich besonders hart. Die Rückwirkungen dieser Maßnahmen auf die Wirtschaft des Euroraums werden dagegen als begrenzt eingeschätzt. Hauptsächlich führen sie im Eurogebiet laut Experten zu einer höheren Inflation und – in geringerem Maße – zu einer niedrigeren Gesamtwirtschaftsleistung. Jedoch gehen die Befragten nicht davon aus, dass diese Entwicklungen die Europäische Zentralbank (EZB) dazu veranlassen wird, ihre geplante Zinspolitik zu ändern.

 

Deutliche Konsequenzen für Russland

 

„Finanzmarktexperten sehen deutliche Konsequenzen der wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland. Dabei wird den Maßnahmen gegen die russische Zentralbank die größte Wirkung zugeschrieben“, sagt ZEW-Präsident Prof. Achim Wambach, PhD. Eine Mehrheit von insgesamt 91 Prozent der Umfrageteilnehmer erwartet durch sie wirtschaftliche Schäden für die russische Wirtschaft. 40 Prozent gehen dabei sogar von einem hohen Schaden aus. Gleichzeitig sehen 88 Prozent der Befragten durch den SWIFT-Ausschluss russischer Banken einen wirtschaftlichen Schaden. Aber auch den politischen Druck auf westliche Unternehmen, ihre Geschäftsbeziehungen mit russischen Firmen zu beenden, wird eine nicht unbedeutende Rolle zugeschrieben: 81 Prozent der Teilnehmenden bewerten diese Maßnahme insgesamt als für Russland schädigend. Dagegen werde vom Einfrieren des Auslandsvermögens russischer Oligarchen eher geringe wirtschaftliche Auswirkungen erwartet: Mit 43 Prozent erwarteten weniger als die Hälfte der Befragten dadurch einen Schaden.

 

Russland

Erwartete Schäden der verschiedenen Sanktionen für Russland, Deutschland und die Eurozone; Diagramm: ZEW.

 

Gefahren für deutsche Wirtschaft

 

„Ziel der Politik war es gleichzeitig, darauf zu achten, dass die Sanktionen nicht die eigene Wirtschaft zu stark schädigen und damit die europäischen Gesellschaften zu destabilisieren. Dies ist nach Meinung der Finanzmarktexperten ebenfalls gelungen“, so Achim Wambach. Laut ZEW-Umfrage halten sich die wirtschaftlichen Negativfolgen für Deutschland und die Eurozone in Grenzen. Die vermutlich schädlichste Maßnahme für die deutsche Wirtschaft ist der politische Druck auf westliche Unternehmen, ihre Geschäftsbeziehungen mit russischen Firmen abzubrechen. Zwar befürchten 62 Prozent der Teilnehmenden hierbei einen Schaden für die eigene Konjunktur, aber die Auswirkungen der drei anderen Maßnahmen auf die deutsche Wirtschaft werden als gering eingeschätzt. Nur 35 Prozent der Befragten erwarten einen Schaden durch den Ausschluss russischer Banken aus SWIFT und lediglich 20 Prozent durch Maßnahmen gegen die russische Zentralbank. Durch das Einfrieren des Auslandsvermögens russischer Oligarchen erwarten gerade einmal 11 Prozent eine negative Rückwirkung. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft des Euroraums werden sehr ähnlich bewertet wie die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Die Folgen der Sanktionen werden sich hauptsächlich in einer steigenden Inflation im Euroraum zeigen: 79 Prozent der Teilnehmenden sehen das als stärkste wirtschaftliche Folge für den Euroraum. Gemäßigt sollen sich die Sanktionen hingegen auf die gesamtwirtschaftlichen Leistung auswirken: 74 Prozent der Teilnehmenden gehen von einem moderaten Effekt auf das BIP im Euroraum aus. Zudem erwarten die Finanzmarktexperten nicht, dass die EZB ihre geplante Geldpolitik anpasst: 60 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Sanktionen keine Auswirkungen auf den Hauptrefinanzierungssatz der EZB haben werden.

 

Quelle: ZEW

 

 

Beitragsbild: ZEW