Wie ein Start-up KI schneller macht

Die Leistungsfähigkeit von Künstlicher Intelligenz (KI) wächst rasant; zugleich steigen Energiebedarf und Kosten. Hier setzt Pruna AI an: Das Start-up entwickelt hocheffiziente und kostengünstige KI-Modelle. Ziel ist es, KI für Forschung und Unternehmen, insbesondere in Europa, zugänglich zu halten und ihren ökologischen Fußabdruck deutlich zu reduzieren.

Vor allem in der Forschung, die auf leistungsstarke Rechenmodelle angewiesen ist, sind die Kosten und der Energiebedarf von KI in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das Team von Pruna AI entwickelt deshalb KI-Modelle, die bei gleichbleibend hoher Leistungsfähigkeit deutlich weniger Ressourcen benötigen.

Typische Anwendungsfälle finden sich neben der Forschung etwa im E-Commerce: Ein Unternehmen möchte seinen Kundinnen und Kunden ermöglichen, in einer App ein Foto hochzuladen und verschiedene Kleidungsstücke virtuell anzuprobieren. Damit dieses „Virtual Try-on“ im Alltag funktioniert, muss das KI-Modell in Sekundenbruchteilen realistische Bilder erzeugen – etwa dieselbe Person mit unterschiedlichen T-Shirts – und zugleich so kostengünstig arbeiten, dass die Funktion millionenfach genutzt werden kann.

 

Wie Pruna KI-Modelle effizienter macht

 

Technisch setzt das Start-up auf mehrere Kompressions- und Optimierungsverfahren, die an unterschiedlichen Stellen des Modells ansetzen. So werden beispielsweise Verbindungen und Modellbestandteile entfernt, die für das Ergebnis nur eine geringe Rolle spielen. Zudem können bereits berechnete Zwischenergebnisse vorübergehend gespeichert werden, damit sie bei späteren, ähnlichen Anfragen nicht erneut berechnet werden müssen.

Die technische Besonderheit der Verfahren von Pruna AI besteht darin, sie nicht isoliert einzusetzen, sondern zu kombinieren und standardisiert auf Modelle anzuwenden. Anschließend wird automatisch evaluiert, wie stark sich Geschwindigkeit, Speicherverbrauch und Qualität im Vergleich zum Ausgangsmodell verändern. So lässt sich für unterschiedliche Anwendungen die jeweils beste Balance zwischen Effizienz und Genauigkeit finden. Zusätzlich setzt Pruna AI auf agentenbasierte Methoden, um die Qualität der Modelle weiter zu steigern.

 

Europa soll technologisch wettbewerbsfähig bleiben

 

Hinter Pruna AI steht ein vierköpfiges Gründerteam: Bertrand Charpentier, Rayan Nait Mazi, John Rachwan und TUM-Professor Stephan Günnemann. Die Idee für das Start-up entstand um das Jahr 2020 während der Promotion von Bertrand Charpentier beziehungsweise der Studienarbeiten von John Rachwan, als sie in ihren Forschungsprojekten an der TUM unmittelbar mit den Herausforderungen effizienter und leistungsstarker KI konfrontiert wurden.

„Hinzu kam aber auch immer der Gedanke, dass es nicht der richtige Weg sein kann, für den wachsenden Rechenbedarf von KI über zusätzliche Energiequellen wie Atomkraftwerke nachzudenken. Stattdessen müssen wir KI-Systeme so entwickeln, dass sie mit deutlich weniger Ressourcen auskommen. Gerade für Europa ist das entscheidend, wenn wir technologisch wettbewerbsfähig bleiben wollen. Daher haben wir neben unserem Standort in München auch einen weiteren in Paris“, sagt Stephan Günnemann. Inzwischen ist das diverse und internationale Team auf 16 Vollzeitkräfte und einige studentische Hilfskräfte angewachsen.

Das Team wurde durch das EXIST-Gründungsstipendium gefördert, ebenso durch UnternehmerTUM, das Zentrum für Innovation und Gründung und die TUM Venture Labs Software/AI und Robotics/AI.

 

Quelle: TUM

 

 

Beitragsbild: Einblicke in die Räumlichkeiten von PrunaAI; Foto: Astrid Eckert/TUM.